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Lesen Sie doch wieder einmal das Buch Rut! Das Buch Rut: eine Weggeschichte
Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Das Buch Rut ist eine kunstvoll aufgebaute Erzählung aus der Zeit nach dem Babylonischen Exil. Sie steht im alten Testament. Hauptthemen sind Solidarität, Fremdenliebe und die Stellung der Frau in der Gesellschaft. Die Tora sieht verschiedene Massnahmen vor, um Menschen und Tiere, ja sogar die Pflanzen zu schützen. An erster Stelle zu erwähnen ist hier sicher die Sabbatruhe am siebten Tag der Woche. Mensch und Tier ruhen sich von der Arbeit aus und schöpfen neue Kraft. Die Tora sieht aber auch sehr konkrete Massnahmen vor, um Arme, Witwen und Fremde zu unterstützen. Im Buch Rut lernen wir verschiedene Rechtsbräuche und ihre praktische Umsetzung kennen.
Kapitel 1 Wichtigstes Thema dieses ersten Kapitels ist die Solidarität unter den Frauen. Noomi steht im Zentrum. Sie hat ein gutes Verhältnis zu ihren Schwiegertöchtern, aber die Solidarität Ruts gegenüber Noomi ist doch erstaunlich: sie ignoriert den Altersunterschied, sie lässt sich ein auf eine andere Kultur, eine andere Religion und eine ungewisse Zukunft. Noomi kann als die "verlorene Tochter" des Alten Testaments verstanden werden. Durch die schweren Schicksalsschläge wird ihr Glaube geprüft. Aber sie findet den Weg zurück zu ihrem Gott. Zwar muss sie mit leeren Händen zurückkehren nach Bethlehem, ins Haus des Brotes, ähnlich wie der verlorene Sohn im Neuen Testament. Sie kehrt um, zurück, nennt sich jetzt zwar Mara, die Bittere, wird dann aber doch noch die Fülle erfahren. Göttliches Wirken bewirkt immer wieder ein Umdenken. Für Noomi, die Israelitin, wird gerade durch Rut, die Fremde, die Ausgeschlossene, die von Aussen Kommende, neues Leben möglich. Kapitel 2 In Bethlehem hat Noomi nach ihrer Rückkehr nicht nur ihre Schwiegertochter Rut an ihrer Seite, sondern kann auch auf die Hilfe von Verwandten hoffen. Gerade hat die Gerstenernte begonnen und Rut ergreift sofort die Initiative, um etwas für ihren und Noomis Lebensunterhalt zu tun. Als Witwe nimmt sie das Recht der Ähren-Nachlese in Anspruch. Es fügt sich, dass Rut auf den Feldern von Noomis Verwandten Boas arbeitet. Boas ist von Rut, ihrer Hilfsbereitschaft und ihrem Eifer beeindruckt, und er gebietet seinen Knechten sie zu schützen und lässt sie auch mit seinen Angestellten essen. Ja, er bittet sie sogar, während der ganzen Ernte auf seinen Feldern zu bleiben. Boas kennt die Vergangenheit und den Weg von Rut. Auch kommt er als Löser in Frage. Kapitel 3 Noomi ergreift in diesem Kapitel die Initiative, allerdings nicht für sich, sondern für Rut. Rut ihrerseits ergreift die Chance und bittet Boas zu nächtlicher Stunde, seiner Lösepflicht nach zu kommen und sie zeigt ihm auch unmissverständlich, dass sie auf die Leviratsehe hofft. Boas hat schon auf den Feldern gnädig und grossherzig gehandelt, und auch jetzt überstürzt er nichts, will dass alles mit rechten Dingen zugeht und verspricht, die Angelegenheit am hellen Tag in aller Offenheit zu regeln. Kapitel 4 Hier, im Tor, findet offiziell den Abschluss, was die Frauen in Solidarität eingefädelt haben. Bei der Verhandlung geht es zuerst nur um die Lösemöglichkeit für den Acker. Der namenlose Verwandte willigt ein, doch als er von der Auflage erfährt, dass, wer den Acker kauft, auch Rut dazu übernehmen muss, um den Namen ihres verstorbenen Mannes wieder aufleben zu lassen, und um Elimelech einen Nachkommen zu verschaffen, scheut er sich vor dieser Pflicht und verzichtet. Der Namenlose übergibt Boas einen Schuh und bekräftigt damit seinen Entschluss, das Grundstück nicht zu betreten. Rut wird in diesem Kapitel "die Moabiterin" genannt. So wird ihr Fremdsein betont und die Tatsache wird unterstrichen, dass der Israelit Boas bewusst eine Ausländerin heiratet. Nach der Heirat wird Rut nicht mehr als Fremde bezeichnet und steht sogar in einer Linie mit den Stammmüttern Israels. Das Alte Testament erzählt uns von mehreren Nachkommen, die dank provokativer Eigeninitiative ihrer Mütter gezeugt wurden. Rut steht da in der Nähe von Tamar: beide sind kinderlose Witwen und auf einen Löser angewiesen. Perez, der Sohn Tamars, ist ein Vorfahre Boas. Unkonventionelle Empfängnis scheint in biblischer Zeit nichts Ungewöhnliches zu sein und alle diese Frauen stehen in der Ahnenreihe zum Messias, dessen Zeugung durch den Heiligen Geist ja ebenfalls sehr aussergewöhnlich ist. |


