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Im Himmel jauchzen und musizieren tausende Engel in Chören. Ihre Lippen formen Liebkosungen und ihre Gesänge preisen Zartheit und Glück. Tanzend feiern sie das Wunder des Lebens. Ja, staune du nur, denn dieser Himmel ist in dir. Christa Spilling-Nöker
Engel - die geflügelten Mächte Nach einem Vortrag von Thomas Staubli Das hebräische Wort "malak" und seine griechische Übersetzung "angelos" bedeuten "Bote". Erst in der lateinischen Übersetzung wird unterschieden zwischen einem himmlischen Boten (angelus) und einem irdischen Boten (nuntius). Die Bibel äussert sich kaum über das Aussehen der Engel, doch wir sind uns alle einig: Engel haben Flügel. Woher kommt diese Vorstellung? Im alten Orient galten grosse Vögel mit mächtigen Flügeln als Symbole für Schutz und Barmherzigkeit. Zusammen mit der göttlichen Sonne symbolisierten sie den Himmel. Flügel sind also Zeichen überirdischer Macht. Auf einem Grabschatz Tutenchamuns erkennen wir Ma'at, die Göttin der Gerechtigkeit, wie sie den Pharao mit ihren Schwingen beschützt.
Die Griechen stellten sich die Psyche, den unsterblichen Teil des Menschen, als geflügeltes Menschlein oder als Schmetterling vor. Aus den altorientalischen und den griechischen Vorstellungen heraus entwickelte sich im Christentum das Bild, dass Verstorbene als Engel im Himmel leben.
Von Kitsch bis Kunst - Engel in allen Variationen werden uns im Moment überall angeboten. Warum sind Engel so beliebt? Engel sind religiöse Sehnsuchtsbilder. In unserer materiell geprägten Welt mit ihrem Arbeitsdruck und der zunehmenden Individualisierung fühlen sich viele Menschen ausgelaugt und einsam und sehnen sich nach Schutz und Segen. Die religiösen Bedürfnisse der Menschen kommen in der Leistungsgesellschaft zu kurz. Der freie Markt nützt diese Bedürftigkeit der gehetzten suchenden Zeitgenossen aus und bietet Religion light in Form von schmucken Engeln in allen Variationen an. Das gegenwärtige Interesse an den Engeln hinterlässt zwiespältige Gefühle. Einerseits ist offensichtlich, dass sich viele Menschen mit einer oberflächlichen Spiritualität zufrieden geben. Sie verpassen es, ernsthaft und verbindlich nach wahren und tragenden Werten zu fragen und zu suchen. Andererseits verweisen die Engel - die Boten - doch auf Gottes Gegenwart im Alltag, und viele Künstler, darunter auch Paul Klee, haben Werke geschaffen, die von einer tiefen Auseinandersetzung und von inneren Entwicklungsschritten zeugen. Zusammengestellt von Brigitte Andenmatten |


