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Vor uns der Tag Gedanken zur Passions- und Osterzeit aus den Büchern von Jörg Zink "Wie wir feiern können" und "Vor uns der Tag". Jesus war mit seinen Jüngern unterwegs und erklärte ihnen den Sinn der Reise: "Wir gehen nach Jerusalem. Dort wird man mich den Priestern und Schriftgelehrten ausliefern. Die werden mich verurteilen und den Römern überstellen. Man wird mich schlagen, anspeien, geisseln und töten. Und am dritten Tag danach werde ich auferstehen." (Matth. 20.18f)
Als Jesus auf einem Esel in Jerusalem einritt, bereiteten die Leute ihm einen begeisterten Empfang, jubelten ihm zu und legten Palmzweige vor ihm auf die Strasse. Aber es war die Stunde der Missverständnisse. Die Menschenmassen träumten von einem machtvollen Befreier, einem König, der die Herrscher vom Thron stürzen würde, einem Helden. Jesus aber war ein stiller Mann, und er brachte eine neue Art von Gerechtigkeit und Gewaltlosigkeit. Ihm ging es nicht um glanzvolle Herrschaft, sondern um Tod oder Leben.
Am Abend des Passahfestes, an dem die Juden der Befreiung aus ägyptischer Knechtschaft gedenken, feierte Jesus mit seinen Freunden das letzte Mahl. Er erwies ihnen einen Liebesdienst und wusch ihnen die Füsse. Er teilte mit ihnen Brot und Wein und lehrte sie, wie dicht lieben und geliebt werden zusammenhängen mit der Fähigkeit sich zu opfern und Opfer anzunehmen.
Alles in Gottes Hand legen. Alles in Gottes Hand lassen. Alles aus Gottes Hand nehmen.
Jesus vor seinen Richtern: unbeugsam, klar, schweigend. Er weiss, dass sein Schicksal von Gott bestimmt ist und nicht von den Menschen.
Mein Gott, ich klage dir meinen Zustand. Ich rede von dir und fühle mich dennoch verlassen. Ich möchte dir vertrauen und ängstige mich dennoch. Ich rede zu dir und weiß doch nicht, ob du mich hörst. Ich möchte deinen Willen erfüllen und weiß doch nicht, was ich tun soll. Ich weiß, dass du mich führst, und sehe dennoch keinen Weg. Ich weiß, dass mein Geschick von dir kommt und kann es nicht annehmen. Ich weiß, dass du mir Licht zugedacht hast und versinke in meinen dunklen Gedanken. Ich weiß, dass du mir Freiheit bestimmt hast und fühle mich dennoch wie gefangen. Ich weiß, dass dein Zeitplan anders ist als der meine und habe dennoch keine Geduld. Es ist leer in mir. Ich wiederhole die Worte, die ich früher einmal verstanden hatte. Ich weiß, dass du mich nicht verlassen wirst. Nein, mein Gott, ich weiß es nicht. Ich glaube es. Ich möchte es glauben. Hilf mir. Amen. Jörg Zink
Wir wissen: Wohin auch immer wir abstürzen sollten, tiefer noch ist die Hand Gottes uns entgegengehalten, die uns auffängt. Jede Tiefe ist ein Ort Gottes. Die dunkle Tiefe und die Helle des Lichts sind eins in ihm.
Maria von Magdala stand vor dem Grab und weinte. Da wurde sie gefragt: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte es sei der Gärtner und sagt: wenn du ihn weggetragen hast, dann sage mir wohin. Da hörte sie plötzlich ihren Namen: "Maria!" Sie fuhr herum, erkannte den, den sie sah und sagte. "Mein Meister!"
Die Bibel kennt zwei verschiedene Lebensläufe, die ineinander spielen. Da ist das normale Menschenleben, das mit der Geburt beginnt und mit dem Tod endet. Da ist aber zum anderen das Leben des inneren Menschen. Dieses beginnt erst im Laufe der Jahre und durchdringt und durchformt im Laufe der Zeit das Leben des äusseren. Es endet nicht, sondern reicht über den Tod hinweg in die Auferstehung und bestimmt die neue Gestalt des Menschen in seinem neuen Dasein in der anderen Welt. (Jörg Zink "Vor uns der Tag" S 168/9) |









