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Die stärksten Waffen (aus "Jüdische Märchen" von Leo Pavlat, Verlag Dausiem1996) Am Abend des sechsten Schöpfungstages berief Gott alle Lebewesen zu sich. Da versammelten sich alle und priesen ihn, wie vollendet er sie erschaffen hatte. Jedes Geschöpf dankte Gott, nur das Lamm schwieg und schien an der allgemeinen Freude nicht teilzunehmen. "Was fehlt dir?" fragte Gott, "warum bist du traurig und stumm, während die anderen Geschöpfe lobpreisend zu mir emporschauen?" "Ach, mein Herr und Schöpfer", erwiderte das Lamm, "wie gerne würde ich mich freuen, aber du hast mich völlig wehrlos erschaffen und der Willkür meiner Feinde preisgegeben. Wie kann ich mich da meines Daseins freuen?" Gott hatte die Klage des Lammes angehört und war bereit, ihm zu helfen. "Möchtest du Tatzen wie ein Bär oder Fänge wie ein Geier haben?" fragte er. Aber das Lamm schüttelte ablehnend den Kopf. "Oder ein scharfes Gebiss wie der Löwe oder der Wolf?" "Nein, mein Herr und Schöpfer", sagte das Lamm, "solche Waffen wünsche ich nicht. Ich möchte Waffen, die mich mein Leid vergessen machen, die aber niemandem ein Leid zufügen!" Da sprach Gott: "Weil deine Bitte gerecht ist, will ich sie dir erfüllen. Ich statte dich mit drei Eigenschaften aus, die dir helfen werden." Und Gott verlieh dem Lamm die Sanftmut, die Demut und die Geduld.
Die Symbolik des Lamms Erinnern wir uns: Nach neun Plagen weigerten sich die Ägypter immer noch, die Hebräer ziehen zu lassen, und so kündete Gott ihnen an, alle Erstgeborenen von Mensch und Tier zu töten. Um vom Todesengel verschont zu bleiben, sollte jede israelitische Familie ein Lamm schlachten, mit dessen Blut die Türpfosten kennzeichnen und das Tier anschliessend zubereiten und vollständig verzehren. Gott machte seine Drohung wahr, strafte die Ägypter und verschonte sein Volk, worauf der Pharao die Israeliten ziehen liess. In dankbarer Erinnerung an das Vorüberschreiten (hebräisch "passach" = übergehen, auslassen) des Todesengels und die Befreiung aus ägyptischer Knechtschaft feiern die Juden bis heute das Passah-Fest. Zur Zeit Jesu brachte man die Opfertiere zur Schlachtung in den Tempel nach Jerusalem, ass dann aber wohl im Kreise von Familie und Freunden das Passahlamm. Passah war neben dem Wochenfest Schawuot und dem Laubhüttenfest Sukkot das wichtigste Wallfahrtsfest. Auch heute noch dauert das Passahfest 7 Tage. Es beginnt mit einem Abendgottesdienst in der Synagoge. Ihm folgt der Sederabend. Seder bedeutet "Ordnung", und das ganze Mahl folgt einem festgelegten Ablauf. Zentral ist die Erinnerung und da nimmt der Sederteller mit symbolischen Speisen einen wichtigen Platz ein. Er ist belegt mit:
Jesus hatte sich mit seinen Jüngern in einem Obergemach zur Sederfeier zusammengefunden. Er sprach von Verrat, von Leiden und von Sterben. Er brach die Matzen und sprach vom brechenden Leib, er reichte seinen Freunden den Wein und sprach von seinem Blut. Die Jünger waren wohl betroffen und konnten ihren Meister nicht verstehen. An diesem, seinem letzten Sederabend gab Jesus Brot und Wein eine neue Deutung, und bis heute denken wir in der Eucharistie und in der Abendmahlsfeier an dieses letzte Mahl Jesu. Das Symbol des Lamms begegnet uns im Neuen Testament vor allem im Johannesevangelium. So weist Johannes der Täufer auf Jesus Christus hin mit den Worten: "Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt" (Joh. 1.29/1.36). In der Thronsaalvision des Johannes, im Buch der Offenbarung, steht das Lamm im Zentrum: nur das Lamm kann das Buch mit den sieben Siegeln öffnen. Das Lamm ist Zeichen der Unschuld, der Reinheit und der Frömmigkeit. Jesus Christus, Gottes Sohn, als das reine Lamm Gottes ohne Sünde, wird in der Kunst oft mit einer Siegesfahne dargestellt und stellt so symbolisch die Auferstehung und den Sieg über den Tod dar.
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